| Geboren | 18. Mai 1840 (Salzburg) |
| Gestorben | 3. Oktober 1884 (Wien) im Alter von 44 Jahren |
| Nationalität | Österreich |
| Epochen | Romantik, Orientalistische Malerei |
| Genre | Historienmalerei, Stillleben, Landschaft, Porträt |
| Beruf | Maler, Lehrer, Architekturzeichner |
| Familie | Vater: Johann Baptist Alois Makart Mutter: Katharina Makart Ehepartner/in: Bertha Linda Kind: Hans Makart junior |
| Lehrer | Johann Fischbach |
| Schüler | Konstanty Mańkowski, Gottlob Knapp, Hans Bulhardt |
| Bekannte Werke | Der Einzug Karls V. in Antwerpen (Hamburger Kunsthalle) (1878), Portrait der Helene von Racowitza (1873), Kleopatra (1874), Charlotte Wolter as Messalina (1875), Clothilde Beer (1880) |
| Museen | Belvedere (Oesterreichische Galerie), Wien Museum, Kunsthistorisches Museum Wien, Staedtische Galerie im Lenbachhaus, Staatliche Museen zu Berlin |
Zu den Sehenswürdigkeiten Wiens gehörte in den 1870er Jahren auch ein Malersaal. Nachmittags zwischen drei und fünf Uhr stand das Atelier in der Gusshausstraße 25 Besuchern offen; Reisende planten den Besuch fest ein, Kaiserin Elisabeth kam im Herbst 1872, und ab 1873 kamen die legendären Atelierfeste dazu. Der Mann, dem dieser Zulauf galt, war Hans Makart, österreichischer Historien- und Dekorationsmaler. 127.000 Gulden hatte er 1872 in die Ausstattung gesteckt, in Gobelins, Antiken, Waffen, Teppiche und Palmen; wer eintrat, betrat weniger eine Werkstatt als ein begehbares Gemälde, und mittendrin arbeitete der Hausherr vor Publikum.
Der Weg dorthin begann in Salzburg. Am 28. Mai 1840 kam Makart im ersten Stock der Alten Residenz zur Welt; ein kurzes Studium an der Wiener Akademie ab 1858 blieb ohne Erfolg, und um 1860/61 wurde er in München Schüler von Karl Theodor von Piloty. Reisen nach London, Paris und Italien folgten. Im März 1869 holte Kaiser Franz Joseph I. den Achtundzwanzigjährigen aus Rom nach Wien und ließ ihm ein Staatsatelier einrichten; schon zuvor hatte der Kaiser eines seiner Gemälde angekauft.
Was in diesem Atelier entstand, hatte selten Zimmerformat. Durch Makarts Werk zieht sich eine Neigung zum Exotischen; Bilder wie „Das Harem“ oder „Eine japanische Frau, ca. 1870“ tragen sie schon im Titel. Im Winter 1875/76 reiste Makart mit zwei Malerkollegen nach Ägypten; aus dieser Ära stammt auch „Die Niljagd“. Für eine Privatwohnung am Parkring entwarf er in den 1870er Jahren fünf Bilder der Sinne, jedes 314 Zentimeter hoch und nur 70 breit, schmale Wandfelder für die Streifen zwischen den Fenstern. „Die fünf Sinne: Das Gesicht“ zeigt eine junge Frau, die einen Handspiegel ans Gesicht hebt; hinter ihr fächert sich ein dunkler Palmwedel auf, am Rand blühen Rosen, und das schmale Format zwingt den Körper in eine Drehung von müheloser Eleganz. Die Wohnung erreichten die fünf Bilder nie; sie kamen 1901 über die Galerie Miethke in öffentlichen Besitz und hängen heute im Oberen Belvedere.
Wien pflegt seine Gewohnheiten, und die Schaulust von damals hat eine Nachfolgerin gefunden: Die Stadt, die einst nachmittags kam, um Makart beim Malen zuzusehen, betrachtet seine Gemälde heute mit Kameras aus nächster Nähe. Ein guter Teil der Bilddaten, nach denen Meisterdrucke in Österreich seine Kunstdrucke fertigt, stammt aus diesen hochauflösenden Erfassungen des Belvedere und des Wien Museums, dazu des Kunsthistorischen Museums. Für einen Maler, dessen Wirkung im Stofflichen liegt, in Brokat, Blumenflor und schimmernder Haut, ist das eine folgerichtige Sitte; die Aufnahmen tragen die feinste Pinselspur bis in den Druck.
Seinen größten Auftritt auf Leinwand hatte Makart 1878. Nach einer Flandern-Reise zum 300. Geburtstag des flämischen Malers Rubens malte er „Der Einzug von Kaiser Karl V. (1500-58) in Antwerpen im Jahr 1520, 1878“, mehr als neun Meter breit und über fünf Meter hoch. Der junge Kaiser reitet im Harnisch durch die geschmückte Stadt, Fahnen und Blumen fallen von den Häusern, und unmittelbar zu Füßen seines Pferdes schreiten, kaum verhüllt, die Ehrenjungfrauen des historischen Einzugs; Albrecht Dürer hatte sie 1520 als Augenzeuge beschrieben. Der Skandal war kalkuliert, Zeitgenossen wollten in den Nackten bekannte Wienerinnen erkennen, und die Rechnung ging auf: Paris zeichnete das Bild auf der Weltausstellung 1878 mit einer Goldmedaille aus, 1882 kaufte die Hamburger Kunsthalle den „Einzug“ für 130.000 Mark. Dort verschwand der Riese hinter einer Gipswand und blieb bis 2016 verborgen; erst seit 2020 hängt er wieder frei.
Am 27. April 1879 zeigte Wien dann, was es an diesem Maler hatte. Zur Silberhochzeit des Kaiserpaares zog ein Huldigungsfestzug über die Ringstraße, 14.000 Mitwirkende in Renaissancetracht, sämtliche Gruppen nach Makarts Entwürfen kostümiert, wieder nach Dürer: diesmal nach dessen gedruckten Blättern zur Ehrenpforte Kaiser Maximilians I. Der Maler ritt selbst mit, in dunkelblauem Samt, mit breitem, federgeschmücktem Hut, auf reich geschirrtem Pferd, und die Stadt gab dem Fest seinen Namen; man sprach fortan vom Makart-Festzug. Der Name wurde überhaupt zum Etikett; Makartstil meinte Plüsch, schwere Wandbehänge und wuchtige Kronleuchter, Makartstrauß das Arrangement aus getrockneten Blumen, Palmwedeln und Gräsern, Makarthut die breite Krempe mit Feder.
Im Februar 1881 erhielt Makart seinen letzten großen Auftrag, das Deckengemälde für das Stiegenhaus des Kunsthistorischen Museums. Fertig wurde davon nur die Farbskizze „Sieg des Lichts über die Dunkelheit, 1883-84“, heute im Belvedere. Helios steigt darin mit dem Viergespann aus gleißendem Gelb, die Pferde drängen schräg aus dem Licht, oben schweben helle Figuren in Schleiern, unten stürzen dunkle Leiber kopfüber in die Wolkenschluchten; das ganze Gewölbe ist als ein einziger Sog nach oben angelegt. Die Decke selbst führte er nicht mehr aus; eine Gehirnerkrankung nahm ihm die Arbeit aus der Hand, und Wien verlor Hans Makart am 3. Oktober 1884, mit nur vierundvierzig Jahren. Zwei Tage lang stand der Sarg aufgebahrt zwischen den Gobelins und Palmen der Gusshausstraße, dann trug man ihn hinaus zum Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof.
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| Geboren | 18. Mai 1840 (Salzburg) |
| Gestorben | 3. Oktober 1884 (Wien) im Alter von 44 Jahren |
| Nationalität | Österreich |
| Epochen | Romantik, Orientalistische Malerei |
| Genre | Historienmalerei, Stillleben, Landschaft, Porträt |
| Beruf | Maler, Lehrer, Architekturzeichner |
| Familie | Vater: Johann Baptist Alois Makart Mutter: Katharina Makart Ehepartner/in: Bertha Linda Kind: Hans Makart junior |
| Lehrer | Johann Fischbach |
| Schüler | Konstanty Mańkowski, Gottlob Knapp, Hans Bulhardt |
| Bekannte Werke | Der Einzug Karls V. in Antwerpen (Hamburger Kunsthalle) (1878), Portrait der Helene von Racowitza (1873), Kleopatra (1874), Charlotte Wolter as Messalina (1875), Clothilde Beer (1880) |
| Museen | Belvedere (Oesterreichische Galerie), Wien Museum, Kunsthistorisches Museum Wien, Staedtische Galerie im Lenbachhaus, Staatliche Museen zu Berlin |
Zu den Sehenswürdigkeiten Wiens gehörte in den 1870er Jahren auch ein Malersaal. Nachmittags zwischen drei und fünf Uhr stand das Atelier in der Gusshausstraße 25 Besuchern offen; Reisende planten den Besuch fest ein, Kaiserin Elisabeth kam im Herbst 1872, und ab 1873 kamen die legendären Atelierfeste dazu. Der Mann, dem dieser Zulauf galt, war Hans Makart, österreichischer Historien- und Dekorationsmaler. 127.000 Gulden hatte er 1872 in die Ausstattung gesteckt, in Gobelins, Antiken, Waffen, Teppiche und Palmen; wer eintrat, betrat weniger eine Werkstatt als ein begehbares Gemälde, und mittendrin arbeitete der Hausherr vor Publikum.
Der Weg dorthin begann in Salzburg. Am 28. Mai 1840 kam Makart im ersten Stock der Alten Residenz zur Welt; ein kurzes Studium an der Wiener Akademie ab 1858 blieb ohne Erfolg, und um 1860/61 wurde er in München Schüler von Karl Theodor von Piloty. Reisen nach London, Paris und Italien folgten. Im März 1869 holte Kaiser Franz Joseph I. den Achtundzwanzigjährigen aus Rom nach Wien und ließ ihm ein Staatsatelier einrichten; schon zuvor hatte der Kaiser eines seiner Gemälde angekauft.
Was in diesem Atelier entstand, hatte selten Zimmerformat. Durch Makarts Werk zieht sich eine Neigung zum Exotischen; Bilder wie „Das Harem“ oder „Eine japanische Frau, ca. 1870“ tragen sie schon im Titel. Im Winter 1875/76 reiste Makart mit zwei Malerkollegen nach Ägypten; aus dieser Ära stammt auch „Die Niljagd“. Für eine Privatwohnung am Parkring entwarf er in den 1870er Jahren fünf Bilder der Sinne, jedes 314 Zentimeter hoch und nur 70 breit, schmale Wandfelder für die Streifen zwischen den Fenstern. „Die fünf Sinne: Das Gesicht“ zeigt eine junge Frau, die einen Handspiegel ans Gesicht hebt; hinter ihr fächert sich ein dunkler Palmwedel auf, am Rand blühen Rosen, und das schmale Format zwingt den Körper in eine Drehung von müheloser Eleganz. Die Wohnung erreichten die fünf Bilder nie; sie kamen 1901 über die Galerie Miethke in öffentlichen Besitz und hängen heute im Oberen Belvedere.
Wien pflegt seine Gewohnheiten, und die Schaulust von damals hat eine Nachfolgerin gefunden: Die Stadt, die einst nachmittags kam, um Makart beim Malen zuzusehen, betrachtet seine Gemälde heute mit Kameras aus nächster Nähe. Ein guter Teil der Bilddaten, nach denen Meisterdrucke in Österreich seine Kunstdrucke fertigt, stammt aus diesen hochauflösenden Erfassungen des Belvedere und des Wien Museums, dazu des Kunsthistorischen Museums. Für einen Maler, dessen Wirkung im Stofflichen liegt, in Brokat, Blumenflor und schimmernder Haut, ist das eine folgerichtige Sitte; die Aufnahmen tragen die feinste Pinselspur bis in den Druck.
Seinen größten Auftritt auf Leinwand hatte Makart 1878. Nach einer Flandern-Reise zum 300. Geburtstag des flämischen Malers Rubens malte er „Der Einzug von Kaiser Karl V. (1500-58) in Antwerpen im Jahr 1520, 1878“, mehr als neun Meter breit und über fünf Meter hoch. Der junge Kaiser reitet im Harnisch durch die geschmückte Stadt, Fahnen und Blumen fallen von den Häusern, und unmittelbar zu Füßen seines Pferdes schreiten, kaum verhüllt, die Ehrenjungfrauen des historischen Einzugs; Albrecht Dürer hatte sie 1520 als Augenzeuge beschrieben. Der Skandal war kalkuliert, Zeitgenossen wollten in den Nackten bekannte Wienerinnen erkennen, und die Rechnung ging auf: Paris zeichnete das Bild auf der Weltausstellung 1878 mit einer Goldmedaille aus, 1882 kaufte die Hamburger Kunsthalle den „Einzug“ für 130.000 Mark. Dort verschwand der Riese hinter einer Gipswand und blieb bis 2016 verborgen; erst seit 2020 hängt er wieder frei.
Am 27. April 1879 zeigte Wien dann, was es an diesem Maler hatte. Zur Silberhochzeit des Kaiserpaares zog ein Huldigungsfestzug über die Ringstraße, 14.000 Mitwirkende in Renaissancetracht, sämtliche Gruppen nach Makarts Entwürfen kostümiert, wieder nach Dürer: diesmal nach dessen gedruckten Blättern zur Ehrenpforte Kaiser Maximilians I. Der Maler ritt selbst mit, in dunkelblauem Samt, mit breitem, federgeschmücktem Hut, auf reich geschirrtem Pferd, und die Stadt gab dem Fest seinen Namen; man sprach fortan vom Makart-Festzug. Der Name wurde überhaupt zum Etikett; Makartstil meinte Plüsch, schwere Wandbehänge und wuchtige Kronleuchter, Makartstrauß das Arrangement aus getrockneten Blumen, Palmwedeln und Gräsern, Makarthut die breite Krempe mit Feder.
Im Februar 1881 erhielt Makart seinen letzten großen Auftrag, das Deckengemälde für das Stiegenhaus des Kunsthistorischen Museums. Fertig wurde davon nur die Farbskizze „Sieg des Lichts über die Dunkelheit, 1883-84“, heute im Belvedere. Helios steigt darin mit dem Viergespann aus gleißendem Gelb, die Pferde drängen schräg aus dem Licht, oben schweben helle Figuren in Schleiern, unten stürzen dunkle Leiber kopfüber in die Wolkenschluchten; das ganze Gewölbe ist als ein einziger Sog nach oben angelegt. Die Decke selbst führte er nicht mehr aus; eine Gehirnerkrankung nahm ihm die Arbeit aus der Hand, und Wien verlor Hans Makart am 3. Oktober 1884, mit nur vierundvierzig Jahren. Zwei Tage lang stand der Sarg aufgebahrt zwischen den Gobelins und Palmen der Gusshausstraße, dann trug man ihn hinaus zum Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof.