| Geboren | 1876 (Kurume) |
| Gestorben | 1950 (Shimo-Ochiai) |
| Nationalität | Japan |
| Epochen | Shin-hanga, Yōga |
| Beruf | Grafiker, Maler |
| Familie | Ehepartner/in: Fujio Yoshida Kind: Hodaka Yoshida, Tōshi Yoshida |
| Lehrer | Soritsu Tamura, Koyama Shōtarō |
| Bekannte Werke | Sailing Boats (1926), Road with Ox Cart and Coolies, Nude Woman with Lions (1909), Harbor View, Sailboats on the Inland Sea |
| Museen | Cleveland Museum of Art |
Das Lehrbuch, mit dem der japanische Farbholzschnitt der Welt erklärt wurde, erschien 1939 unter dem englischen Titel „Japanese Wood-Block Printing“. Geschrieben hatte es Yoshida Hiroshi, ein japanischer Maler und Holzschnitt-Künstler, der sein halbes Berufsleben lang Aquarelle und Ölbilder gemalt hatte, ehe er den ersten Druckstock schneiden ließ. Begonnen hatte dieses Leben am 19. September 1876 in Kurume auf der Südinsel Kyushu, wo er als Ueda Hiroshi geboren wurde; den Namen Yoshida trug er, seit ihn 1891 sein Zeichenlehrer Yoshida Kasaburo adoptierte. In den 1890er Jahren lernte er Malerei nach europäischer Art, erst in Kyoto, dann an der privaten Fudosha-Schule in Tokyo.
Im Jahr 1899 machte er aus dieser Ausbildung ein Wagnis. Zusammen mit dem Malerkollegen Nakagawa Hachiro schiffte er sich in Yokohama nach Amerika ein, One-Way-Tickets, Reisegeld für einen Monat, im Gepäck die eigenen Aquarelle. Unterwegs brach an Bord ein Feuer aus; Männer und Bilder überstanden es. Noch im selben Jahr stellte das Detroit Museum of Art 92 seiner Aquarelle aus, und die Bürger der Stadt kauften dem Museum per öffentlicher Sammlung Yoshidas großes Blatt „Memories of Japan“ für 500 Dollar. Eine Ausstellung in Boston brachte Anfang 1900 nahezu 3000 Dollar ein; es folgten die Weltausstellung in Paris und 1904 eine Bronzemedaille in St. Louis. Der junge Japaner hatte die Malerei des Westens gelernt und verkaufte sie dem Westen mit Erfolg zurück.
Den Holzschnitt, die klassische Drucktechnik seines Landes, fasste er erst mit 44 Jahren an. 1920 entwarf er die ersten Blätter für den Verleger Watanabe Shozaburo; 1923 zerstörte das große Kanto-Erdbeben, das Tokyo verwüstete, die Werkstatt des Verlegers mitsamt den Druckstöcken. Yoshida reiste danach noch einmal durch Amerika und Europa, kehrte im August 1925 zurück und machte sich von Verlegern unabhängig. Er richtete eine eigene Werkstatt ein und beschäftigte, der japanischen Drucktradition folgend, eigene Schnitzer und Drucker unter seiner strengen Aufsicht; Blätter, deren Druck er persönlich überwachte, tragen das jizuri-Siegel, zu Deutsch „selbst gedruckt“. Seine Drucke durchliefen ungewöhnlich viele Farbdurchgänge, im Schnitt um die dreißig, in Einzelfällen nahezu hundert. Für das „Pflaumentor“ von 1935, ein Hoftor in Ome bei Tokyo mit blühendem Pflaumenbaum, nannte er selbst 14 Blöcke und 55 Durchgänge - mancher Block wurde also mehrfach eingefärbt und erneut gedruckt.
Am sichtbarsten wird dieser Aufwand dort, wo Licht auf Wasser fällt. In „Die Kagurazaka-Straße bei Nacht, nach dem Regen“ von 1929, einem Blatt aus der Serie „Zwölf Szenen von Tokio“, steht tiefblauer Nachthimmel über einer Einkaufsstraße; Laternen und beleuchtete Schilder hängen im Dunkel der Holzfassaden, ein Obststand glüht orange, und die ganze Lichterreihe kehrt als gezacktes Flimmern im nassen Pflaster wieder. Der Regen ist vorüber, die Straße arbeitet als Spiegel weiter. „Der Sarusawa-Teich“ von 1933 holt denselben Gedanken in den hellen Tag. Über dem Teich in Nara erhebt sich die fünfstöckige Pagode des Kofukuji, Weidenzweige hängen ins Bild, und im blassen Wasser steht die Pagode ein zweites Mal. Und „Der Goldene Pavillon (Kinkaku)“, ebenfalls 1933, setzt den Tempel in Kyoto so an den Teich, dass die Spiegelung im grünlichen Wasser die untere Hälfte des Blattes füllt.
Die Motive dafür erwanderte er sich. Yoshida war passionierter Bergsteiger und verbrachte annähernd die Hälfte des Jahres auf Skizzenreisen; um 1930 führte ihn eine lange Fahrt bis nach Indien und Südostasien, aus der 32 Drucke hervorgingen. Sein produktivstes Jahr aber war 1926, mit 41 Drucken, darunter Serien zum Seto-Binnenmeer, zu den Japanischen Alpen und zum Fuji. Im selben Jahr entstand „Kumoi-Kirschbäume“, ein für den Holzschnitt gewaltiges Blatt von 58,4 mal 74,5 Zentimetern, das wegen seiner Größe auf drei Blockteile verteilt werden musste; an die fünfzig Abzüge wurden davon gedruckt. Als Vorlage diente ein 27 Jahre altes Werk, jenes Aquarell „Memories of Japan“, das Detroit 1899 gekauft hatte. Das Blatt zeigt Frauen unter blühenden Kirschbäumen am Berg Yoshino im Mondlicht.
Die Kunstdrucke nach diesen Blättern entstehen bei Meisterdrucke im Giclée-Verfahren, in höchster Auflösung und bewusst langsam gefahren. Neben Yoshidas Arbeitsweise, die einem einzigen Motiv Dutzende Durchgänge gönnte, steht damit ein Verfahren, das sich seine Zeit ebenfalls nimmt.
Seinen letzten eigenen Holzschnitt druckte Yoshida 1946; 1947 wählte ihn die Künstlervereinigung Taiheiyo Gakai zu ihrem Präsidenten. Im Frühjahr 1950 unternahm er eine letzte Reise nach Izu und Nagaoka und kehrte danach nach Tokyo zurück, wo er am 5. April 1950 starb. Was er aufgebaut hatte, blieb in der Familie. Seine Frau Fujio malte, die Söhne Toshi und Hodaka wurden beide Holzschnitt-Künstler; den jüngeren, 1926 im produktivsten Jahr des Vaters geboren, hatte er nach seinem Lieblingsberg Hotaka benannt.
Seite 1 / 1
| Geboren | 1876 (Kurume) |
| Gestorben | 1950 (Shimo-Ochiai) |
| Nationalität | Japan |
| Epochen | Shin-hanga, Yōga |
| Beruf | Grafiker, Maler |
| Familie | Ehepartner/in: Fujio Yoshida Kind: Hodaka Yoshida, Tōshi Yoshida |
| Lehrer | Soritsu Tamura, Koyama Shōtarō |
| Bekannte Werke | Sailing Boats (1926), Road with Ox Cart and Coolies, Nude Woman with Lions (1909), Harbor View, Sailboats on the Inland Sea |
| Museen | Cleveland Museum of Art |
Das Lehrbuch, mit dem der japanische Farbholzschnitt der Welt erklärt wurde, erschien 1939 unter dem englischen Titel „Japanese Wood-Block Printing“. Geschrieben hatte es Yoshida Hiroshi, ein japanischer Maler und Holzschnitt-Künstler, der sein halbes Berufsleben lang Aquarelle und Ölbilder gemalt hatte, ehe er den ersten Druckstock schneiden ließ. Begonnen hatte dieses Leben am 19. September 1876 in Kurume auf der Südinsel Kyushu, wo er als Ueda Hiroshi geboren wurde; den Namen Yoshida trug er, seit ihn 1891 sein Zeichenlehrer Yoshida Kasaburo adoptierte. In den 1890er Jahren lernte er Malerei nach europäischer Art, erst in Kyoto, dann an der privaten Fudosha-Schule in Tokyo.
Im Jahr 1899 machte er aus dieser Ausbildung ein Wagnis. Zusammen mit dem Malerkollegen Nakagawa Hachiro schiffte er sich in Yokohama nach Amerika ein, One-Way-Tickets, Reisegeld für einen Monat, im Gepäck die eigenen Aquarelle. Unterwegs brach an Bord ein Feuer aus; Männer und Bilder überstanden es. Noch im selben Jahr stellte das Detroit Museum of Art 92 seiner Aquarelle aus, und die Bürger der Stadt kauften dem Museum per öffentlicher Sammlung Yoshidas großes Blatt „Memories of Japan“ für 500 Dollar. Eine Ausstellung in Boston brachte Anfang 1900 nahezu 3000 Dollar ein; es folgten die Weltausstellung in Paris und 1904 eine Bronzemedaille in St. Louis. Der junge Japaner hatte die Malerei des Westens gelernt und verkaufte sie dem Westen mit Erfolg zurück.
Den Holzschnitt, die klassische Drucktechnik seines Landes, fasste er erst mit 44 Jahren an. 1920 entwarf er die ersten Blätter für den Verleger Watanabe Shozaburo; 1923 zerstörte das große Kanto-Erdbeben, das Tokyo verwüstete, die Werkstatt des Verlegers mitsamt den Druckstöcken. Yoshida reiste danach noch einmal durch Amerika und Europa, kehrte im August 1925 zurück und machte sich von Verlegern unabhängig. Er richtete eine eigene Werkstatt ein und beschäftigte, der japanischen Drucktradition folgend, eigene Schnitzer und Drucker unter seiner strengen Aufsicht; Blätter, deren Druck er persönlich überwachte, tragen das jizuri-Siegel, zu Deutsch „selbst gedruckt“. Seine Drucke durchliefen ungewöhnlich viele Farbdurchgänge, im Schnitt um die dreißig, in Einzelfällen nahezu hundert. Für das „Pflaumentor“ von 1935, ein Hoftor in Ome bei Tokyo mit blühendem Pflaumenbaum, nannte er selbst 14 Blöcke und 55 Durchgänge - mancher Block wurde also mehrfach eingefärbt und erneut gedruckt.
Am sichtbarsten wird dieser Aufwand dort, wo Licht auf Wasser fällt. In „Die Kagurazaka-Straße bei Nacht, nach dem Regen“ von 1929, einem Blatt aus der Serie „Zwölf Szenen von Tokio“, steht tiefblauer Nachthimmel über einer Einkaufsstraße; Laternen und beleuchtete Schilder hängen im Dunkel der Holzfassaden, ein Obststand glüht orange, und die ganze Lichterreihe kehrt als gezacktes Flimmern im nassen Pflaster wieder. Der Regen ist vorüber, die Straße arbeitet als Spiegel weiter. „Der Sarusawa-Teich“ von 1933 holt denselben Gedanken in den hellen Tag. Über dem Teich in Nara erhebt sich die fünfstöckige Pagode des Kofukuji, Weidenzweige hängen ins Bild, und im blassen Wasser steht die Pagode ein zweites Mal. Und „Der Goldene Pavillon (Kinkaku)“, ebenfalls 1933, setzt den Tempel in Kyoto so an den Teich, dass die Spiegelung im grünlichen Wasser die untere Hälfte des Blattes füllt.
Die Motive dafür erwanderte er sich. Yoshida war passionierter Bergsteiger und verbrachte annähernd die Hälfte des Jahres auf Skizzenreisen; um 1930 führte ihn eine lange Fahrt bis nach Indien und Südostasien, aus der 32 Drucke hervorgingen. Sein produktivstes Jahr aber war 1926, mit 41 Drucken, darunter Serien zum Seto-Binnenmeer, zu den Japanischen Alpen und zum Fuji. Im selben Jahr entstand „Kumoi-Kirschbäume“, ein für den Holzschnitt gewaltiges Blatt von 58,4 mal 74,5 Zentimetern, das wegen seiner Größe auf drei Blockteile verteilt werden musste; an die fünfzig Abzüge wurden davon gedruckt. Als Vorlage diente ein 27 Jahre altes Werk, jenes Aquarell „Memories of Japan“, das Detroit 1899 gekauft hatte. Das Blatt zeigt Frauen unter blühenden Kirschbäumen am Berg Yoshino im Mondlicht.
Die Kunstdrucke nach diesen Blättern entstehen bei Meisterdrucke im Giclée-Verfahren, in höchster Auflösung und bewusst langsam gefahren. Neben Yoshidas Arbeitsweise, die einem einzigen Motiv Dutzende Durchgänge gönnte, steht damit ein Verfahren, das sich seine Zeit ebenfalls nimmt.
Seinen letzten eigenen Holzschnitt druckte Yoshida 1946; 1947 wählte ihn die Künstlervereinigung Taiheiyo Gakai zu ihrem Präsidenten. Im Frühjahr 1950 unternahm er eine letzte Reise nach Izu und Nagaoka und kehrte danach nach Tokyo zurück, wo er am 5. April 1950 starb. Was er aufgebaut hatte, blieb in der Familie. Seine Frau Fujio malte, die Söhne Toshi und Hodaka wurden beide Holzschnitt-Künstler; den jüngeren, 1926 im produktivsten Jahr des Vaters geboren, hatte er nach seinem Lieblingsberg Hotaka benannt.