An der inneren Goldkante läuft eine feine Perlenreihe dicht am Bild entlang, während dunkle Abriebspuren die breite Kehle des Rahmens gliedern. Von dort rutscht der Blick fast zwangsläufig zu Prometheus, dessen gefesselter Körper sich in einer steilen Diagonale über den Felsen spannt. Jean-Louis-César Lair zeigt 1819 den Titanen im Augenblick seiner Strafe: Weil er den Menschen das Feuer bringt, kettet ihn Zeus an den Fels und überlässt ihn dem Adler. Von links drängt der Vogel an den hell beleuchteten Leib heran; Ketten fixieren Hand- und Fußgelenke. Ein Arm strebt nach oben, der andere öffnet sich in einer abwehrenden Geste. Rotbraunes Tuch, graugrüne Wolken und schwarzes Gestein umgeben die fahle Haut. Das Licht sammelt sich auf Brust, Bauch und Gliedern und rückt die körperliche Qual ins Zentrum - man schaut hin, auch wenn es unangenehm ist.
Zumera fasst diese Szene mit einem gestuften Barockprofil. Außen ziehen sich Blätter und kleine Blüten über den Rand; ihre erhabenen Stellen leuchten stärker als der punktierte Grund. Dann eine schräge Kehle mit sichtbarer Patina, schmale Leisten und schließlich die perlenbesetzte Innenkante. Für ein eher kompaktes Stück ist das viel Profil, das geben wir zu - aber genau diese Staffelung holt an der Wand Tiefe heraus, ohne den Bildraum einzuengen. Zur angespannten Körperhaltung und zur Schwere des Mythos passt die feste, fast architektonische Wirkung: Der Rahmen schmückt nicht nur, er setzt der auseinanderstrebenden Figur eine klare Grenze. Ohne Passepartout und Glas sitzt die Leinwand Leonardo unmittelbar im Goldprofil; ihre satinierte Oberfläche zeigt sich nur als sanfter Schimmer. Fällt seitliches Licht auf die Anfertigung, wandern helle Reflexe über Ornament, Kehle und Leinwand, und Bild und Rahmen greifen so ineinander, dass wir in der Werkstatt kurz innegehalten haben. Das passiert uns nicht bei jedem Stück.