Kaum jemand achtet auf den Rock: Der Mann auf dem Felsen trägt keine Bergkleidung, sondern einen ordentlichen dunkelgrünen Gehrock, wie man ihn zum Kirchgang anzieht, nirgends abgescheuert, nirgends staubig. Schon dieses Kleidungsstück verrät, dass es ihm nicht ums Klettern geht, sondern ums Schauen. Wir stehen hinter ihm und sehen, was er sieht: Nebelbänke, die zwischen den Felszacken treiben, dahinter die blassen Gipfel, und links wie rechts laufen die Bergflanken wie Pfeile auf seine Gestalt zu, als hätte die Landschaft nur auf ihn gewartet. Rechts ragt ein Felsturm aus dem Dunst, vermutlich der Zirkelstein in der Sächsischen Schweiz, wo Caspar David Friedrich seine Motive zusammenlas, um sie im Atelier zu dieser Ansicht zu verbinden, die er um 1817 malte. Ein Bild der Stille, und der Rücken des Betrachters lässt alles offen.
An der weißen Wand wirkt das Ganze zunächst größer, als die 20 x 26 cm des Bildfeldes vermuten lassen. Effie, ein schwarzes Profil mit schmaler Goldkante, nimmt mit seiner gestuften Breite fast ebenso viel Fläche ein wie das Motiv selbst und zieht das kleine Nebelmeer zu einem kompakten Block zusammen, der sich von der Seite betrachtet deutlich von der Wand abhebt; das war im ersten Moment fast zu viel Rahmen für so wenig Bild, auf dem zweiten Blick stimmt die Proportion dann doch. Leonardo, eine Leinwand mit satiniertem Finish, trägt den Nebel nicht als glatte Fläche, sondern als weiche grauviolette Verläufe, durch die die Körnung des Stoffes überall hindurchscheint. Wo die Schwaden um den Felsen rechts ziehen, löst sich die Kontur der Baumkronen in die Leinwandstruktur auf, genau so unscharf, wie Nebel eben ist. Selbst der Gehrock zeigt aus der Nähe dieses feine Raster, und das Gold der Innenkante läuft als dünne, matte Linie um alles herum.
Aus zwei Schritten Abstand verschwindet die Figur beinahe im Hellgrau, und erst beim Nähertreten zeichnen sich der Spazierstock und die ins Nebelfeld gestreckten Felsgrate wieder ab. Man geht also unweigerlich hin, und das passt zu einem Bild, das selbst vom Hinschauen handelt.