Ineinander verschränkt liegen zwei Körper auf einem zerwühlten Laken, das sich über eine gelbgrüne Decke breitet - und beinahe nichts an ihnen ist Gesicht. Der Mann kehrt dem Betrachter den Rücken zu, ein Rücken aus Rostrot, Ocker und Olivgrün, der die gesamte Bildmitte einnimmt. Die Frau verschwindet unter ihm, sichtbar bleiben ein Bein, ein Arm, eine Hand, die sich in seine Schulter drückt, und ihr dunkles Haar, das nach rechts über das Kissen fließt. Blaue Konturlinien fassen die Falten des Lakens, als hätte jemand sie mit dem Stift nachgezogen, und halten das Weiß gegen den unruhig gemalten Grund. Egon Schiele malt dieses Bild 1917, ein Jahr vor seinem Tod, und es gehört zu den Werken, in denen seine Kunst ihre Richtung ändert: Die frühen Akte mit ihren schmerzhaft verdrehten Gliedern weichen einer Nähe, die nichts mehr beweisen muss. Statt sich dem Blick auszusetzen, birgt sich das Paar ineinander. Im Belvedere in Wien hängt das Original, auch unter dem Titel "Liebespaar II" bekannt, mit rund 100 mal 170 Zentimetern - eine Umarmung in Lebensgröße, die zwischen den Bildern der Wiener Moderne mit ungewohnter Ruhe auffällt.
Auf 40 mal 23 Zentimeter schrumpft diese Umarmung hier zu einem Objekt, das man mit beiden Händen tragen kann - wer die Wiener Wand kennt, wird das Format kurz vermissen, aber genau darin liegt die Wirkung des Stücks. Erminia, ein schwarzgraues Holzprofil mit tief ausgekehlten Rillen und aufgerissener Oberfläche, legt sich so breit um die Leinwand Leonardo, dass Rahmen und Bild einander an Fläche kaum nachstehen; von schräg betrachtet tritt das Profil deutlich vor die Wand und wirft einen schmalen Schatten nach unten. An heller Wand hängt das Ganze als dunkles Rechteck im Querformat, in dem die gelbe Decke wie ein Fenster aufgeht - aus der Entfernung sieht man erst den Farbfleck, dann das Paar. Die blauen Konturen des Lakens und die einzelnen Finger der Hand auf dem Rücken bleiben trotz der Verkleinerung lesbar; die satinierte Oberfläche verschleift nichts. Was die verwitterten Holzrillen mit dieser weichen Szene zu tun haben, ist eine berechtigte Frage, und die Antwort steht vor einem: Das raue Holz nimmt dem Motiv jede Süße und lässt die Zärtlichkeit als etwas Erarbeitetes erscheinen, nicht als etwas Hübsches. Eine wirklich gut zusammengedachte Bestellung.