Am Fockmast flattert ein winziger roter Wimpel, kaum größer als ein Fingernagel, und doch ist er der hellste Punkt in diesem ganzen Aufruhr aus Wolken und Gischt. Darunter kämpft ein Dreimaster gegen die Bö, die dem Bild seinen Beinamen gab: „Der Windstoß". Das Schiff krängt hart, ein losgerissenes Segel bläht sich wie ein Sack im Sturm, während links im Dunkel ein kleineres Boot fast in den Wellen verschwindet. Willem van de Velde der Jüngere, der große Marinemaler des niederländischen Goldenen Zeitalters, wusste genau, wie Wetter auf See aussieht - er fuhr mit seinem Vater in Beibooten zwischen Kriegsflotten umher, um Schlachten aus nächster Nähe zu skizzieren. Diese Erfahrung steckt in jedem Detail: in der Takelage, die auch unter Druck logisch bleibt, in den Matrosen, die winzig in den Wanten hängen, und in diesem Licht, das durch die Wolkenwand bricht und die Szene mehr inszeniert als beleuchtet. Es ist ein Bild über Ausgeliefertsein - und zugleich über Ordnung mitten im Chaos.
Gerahmt hängt das Ganze in Janine, einem Echtholzprofil, das bei uns nicht ohne Grund zu den beliebtesten gehört. Näher hintreten lohnt sich: Zwischen der breiten, geäderten Goldkehle und der inneren Rundleiste läuft eine Perlschnur aus winzigen, einzeln ausgeformten Gliedern, die sich in den Ecken sauber in der Gehrung treffen - an genau diesen Ecken bleibt man beim Auspacken jedes Mal kurz hängen. Die Vergoldung ist nicht glatt poliert, sondern trägt eine feine, fast marmorartige Zeichnung; an den Graten schimmert das rot durchgeriebene Bolus-Fundament durch, wie man es von historischen Fassungen kennt. Kein zierlicher Rahmen also, aber auch keiner, der sich aufdrängt - bei 48 x 59 cm bleibt die Profilstärke angenehm im Maß. Das Motiv selbst trägt die Leinwand Raphael, deren matte Oberfläche jede Spiegelung schluckt; so bleiben auch die dunkelsten Wolkenpartien aus jedem Winkel lesbar, was bei einem derart schattenreichen Bild keine Kleinigkeit ist. Und genau darin liegt der Reiz dieser Zusammenstellung: Innen tobt der Sturm, außen hält ein präzise gearbeitetes Ornament dagegen - der Rahmen gibt dem aufgewühlten Motiv eine feste Reling, an der sich der Blick festhalten kann.