| Geboren | 27. März 1853 (Krefeld) |
| Gestorben | 13. Juni 1916 (Krems) im Alter von 63 Jahren |
| Nationalität | Deutschland |
| Genre | Porträt |
| Beruf | Maler, Illustrator |
| Bekannte Werke | Armenspeisung (1911) |
Über das blanke Parkett der Wiener Hofburg dreht sich eine Tänzerin in Hellblau, die Schleppe fliegt ihr nach. Rechts, wo die Uniformen beginnen, spricht ein alter Herr in weißer Jacke mit vollem Backenbart, Kaiser Franz Joseph I., umgeben von ungarischen Magnaten, Hochadeligen in pelzverbrämten Röcken. Kronleuchter, Palmen, eine besetzte Galerie - das Aquarell „Hofball in der Hofburg, 1900“ bringt eine ganze Gesellschaft auf ein Blatt. Die Musik muss man sich denken; die schwingenden Kleider und das spiegelnde Parkett führen ihren Takt auch so vor.
Gemalt hat diese Szene ein Zugereister. Geboren am 27. März 1853 in Krefeld und ausgebildet an der Düsseldorfer Akademie, unter anderem bei Eduard von Gebhardt, übersiedelte Wilhelm Gause 1879 nach Wien - ein Deutscher, aus dem ein Österreicher wurde; beide Länder zählen ihn zu den Ihren. Als Maler und Pressezeichner zeichnete er für große illustrierte Zeitschriften seiner Zeit, die Gartenlaube und die Illustrirte Zeitung; sein eigentliches Fach fand er dort, wo die Stadt sich selbst zusah: auf Bällen und Festen. Seine Aquarelle trugen ihm 1889 ein Ehrendiplom in Dresden ein, dazu eine Silbermedaille in Paris.
Ein zweites Ballbild, „Der Wiener Ball“, führt in einen anderen Saal: gotisch gegliedert, rote Samtvorhänge, Blumen bis zu den Steinfiguren; statt der Uniformen herrscht der schwarze Frack, getanzt wird gerade nicht, man steht, begrüßt einander, sieht und wird gesehen. Der Feuilletonist Eduard Pötzl vom Neuen Wiener Tagblatt war Gauses Auftraggeber und enger Freund; als Pötzl nach einer Fleischvergiftung kaum noch schreiben konnte, widmete er seinen letzten Artikel, erschienen am 26. März 1913, dem Freund Wilhelm Gause.
Der feinen Welt folgte Gause auch über Wien hinaus. 1896 vereinte ein Prachtwerk der Deutschen Verlagsanstalt in Stuttgart 29 seiner Karlsbader Aquarelle als Heliogravüren, feine Tiefdrucktafeln. „Am Mühlbrunnen“, benannt nach einer der Karlsbader Heilquellen, hält einen Regentag fest: Schwarze Schirme drängen sich vor der Säulenkolonnade, das nasse Pflaster spiegelt, eine Dame stemmt ihren Schirm gegen das Wetter, die Kurgäste flüchten unter das Dach. Das Blatt „Karlsbad“ wählt den Blick von der Höhe, zwei Damen an einem Felsen, unter ihnen die Kurstadt im Talkessel. Sein eigenes Leben hatte der Maler da längst in die Stille verlegt: Schon 1889 war er von Wien nach Stein an der Donau übersiedelt, zeichnete dort Sonnwendfeuer und die Landschaft der Wachau und sah die Töchter Mini, Grete und Isolde heranwachsen, die alle Malerinnen wurden.
Meisterdrucke führt 56 Werke von Wilhelm Gause; die Originale sind überwiegend Aquarelle und Gravuren. Favorit der Kunden ist das Hofball-Blatt, danach mehrere Karlsbader Ansichten. Die beiden Ballbilder ergänzen einander sichtbar, hier das Uniformweiß der Hofburg, dort der schwarze Frack unter gotischen Bögen.
Wilhelm Gause und der Kaiser, den er so oft gezeichnet hatte, teilen das Sterbejahr 1916. Des Malers Datum ist der 13. Juni, sein Ort Stein an der Donau, heute Teil von Krems - das Städtchen, das ihm fast drei Jahrzehnte Heimat war.
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| Geboren | 27. März 1853 (Krefeld) |
| Gestorben | 13. Juni 1916 (Krems) im Alter von 63 Jahren |
| Nationalität | Deutschland |
| Genre | Porträt |
| Beruf | Maler, Illustrator |
| Bekannte Werke | Armenspeisung (1911) |
Über das blanke Parkett der Wiener Hofburg dreht sich eine Tänzerin in Hellblau, die Schleppe fliegt ihr nach. Rechts, wo die Uniformen beginnen, spricht ein alter Herr in weißer Jacke mit vollem Backenbart, Kaiser Franz Joseph I., umgeben von ungarischen Magnaten, Hochadeligen in pelzverbrämten Röcken. Kronleuchter, Palmen, eine besetzte Galerie - das Aquarell „Hofball in der Hofburg, 1900“ bringt eine ganze Gesellschaft auf ein Blatt. Die Musik muss man sich denken; die schwingenden Kleider und das spiegelnde Parkett führen ihren Takt auch so vor.
Gemalt hat diese Szene ein Zugereister. Geboren am 27. März 1853 in Krefeld und ausgebildet an der Düsseldorfer Akademie, unter anderem bei Eduard von Gebhardt, übersiedelte Wilhelm Gause 1879 nach Wien - ein Deutscher, aus dem ein Österreicher wurde; beide Länder zählen ihn zu den Ihren. Als Maler und Pressezeichner zeichnete er für große illustrierte Zeitschriften seiner Zeit, die Gartenlaube und die Illustrirte Zeitung; sein eigentliches Fach fand er dort, wo die Stadt sich selbst zusah: auf Bällen und Festen. Seine Aquarelle trugen ihm 1889 ein Ehrendiplom in Dresden ein, dazu eine Silbermedaille in Paris.
Ein zweites Ballbild, „Der Wiener Ball“, führt in einen anderen Saal: gotisch gegliedert, rote Samtvorhänge, Blumen bis zu den Steinfiguren; statt der Uniformen herrscht der schwarze Frack, getanzt wird gerade nicht, man steht, begrüßt einander, sieht und wird gesehen. Der Feuilletonist Eduard Pötzl vom Neuen Wiener Tagblatt war Gauses Auftraggeber und enger Freund; als Pötzl nach einer Fleischvergiftung kaum noch schreiben konnte, widmete er seinen letzten Artikel, erschienen am 26. März 1913, dem Freund Wilhelm Gause.
Der feinen Welt folgte Gause auch über Wien hinaus. 1896 vereinte ein Prachtwerk der Deutschen Verlagsanstalt in Stuttgart 29 seiner Karlsbader Aquarelle als Heliogravüren, feine Tiefdrucktafeln. „Am Mühlbrunnen“, benannt nach einer der Karlsbader Heilquellen, hält einen Regentag fest: Schwarze Schirme drängen sich vor der Säulenkolonnade, das nasse Pflaster spiegelt, eine Dame stemmt ihren Schirm gegen das Wetter, die Kurgäste flüchten unter das Dach. Das Blatt „Karlsbad“ wählt den Blick von der Höhe, zwei Damen an einem Felsen, unter ihnen die Kurstadt im Talkessel. Sein eigenes Leben hatte der Maler da längst in die Stille verlegt: Schon 1889 war er von Wien nach Stein an der Donau übersiedelt, zeichnete dort Sonnwendfeuer und die Landschaft der Wachau und sah die Töchter Mini, Grete und Isolde heranwachsen, die alle Malerinnen wurden.
Meisterdrucke führt 56 Werke von Wilhelm Gause; die Originale sind überwiegend Aquarelle und Gravuren. Favorit der Kunden ist das Hofball-Blatt, danach mehrere Karlsbader Ansichten. Die beiden Ballbilder ergänzen einander sichtbar, hier das Uniformweiß der Hofburg, dort der schwarze Frack unter gotischen Bögen.
Wilhelm Gause und der Kaiser, den er so oft gezeichnet hatte, teilen das Sterbejahr 1916. Des Malers Datum ist der 13. Juni, sein Ort Stein an der Donau, heute Teil von Krems - das Städtchen, das ihm fast drei Jahrzehnte Heimat war.